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Thesen zum Jukss

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Von Franzi Müller, 7.7.2006


Der Jukß scheint mal wieder in einer Krise zu sein. Totgesagte allerdings leben häufig länger, als es der Norm entspricht, und gerade der Jukß ist ein Kandidat, dem schon mehrmals ein baldiges Scheitern prophezeit wurde. Mir fallen drei Bereiche ein, für die ich mir von einem Utopientreffen wertvolle Impulse erwarte: Organisation, Selbstverständnis, Selbstorganisation auf dem Jukß. Einige Probleme und Problemchen, die mir auf bisherigen Jukßen aufgefallen sind, habe ich im folgenden Text gesammelt und mit der einen oder anderen These kombiniert.


Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Organisation

  • Zu wenig Leute im Orgateam
  • Sorge, mehr Verantwortung zu übernehmen, als man bewältigen kann
  • Damit verbunden erfolgte nur in wenigen Bereichen Aufgabenverteilung, sondern Prinzip „alle machen alles“
  • Wenig Koordination der einzelnen Aufgaben, dadurch Reibungsverluste, die durch hohen Koordinationsaufwand entstehen
  • Dezentralisierung als (Schein-)Lösung
  • kein zentrales Büro
  • keine oder eine zu kleine lokale Orgagruppe
  • Jukß als Durchlauferhitzer (Leute lernen hier, Politik zu machen, und sobald sie etwas Organisationserfahrung gelernt haben, wenden sie diese anderswo an, und kommen zum Jukß, um Workshops anzubieten und Leute zu treffen)
  • Wenig Übersicht über Zeitplan, Aufgaben und Prioritäten
    • => langwierige Aufgaben (Schulsuche) ziehen sich lange hin
  • mangelhafter Wissenstransfer
    • => Rad neu erfinden

[Bearbeiten] Thesen dazu

  • Herrschaftsfreiheit ist möglich, Freiheit von Hierarchie jedoch nicht. Wissenshierarchien wird es immer geben und es kommt darauf an, damit verantwortungsbewusst und transparent umzugehen.
  • Nicht jede Aufgabe lässt sich beliebig dezentralisieren. Je höher der Grad an Dezentralisierung, desto höher der Koordinationsaufwand. Aufgaben wie Schulsuche, Schnorren, Absprachen vor Ort (Behördenbesuche, Kontakte zu lokalen Gruppen, lokale Pressearbeit) Referenten einladen lassen sich am besten von einigen Leuten erledigen, die intensiv zusammenarbeiten können und idealerweise am selben Ort leben, weil dies den Koordinationsaufwand senkt. Bei früheren Jukßen hat es sich als hilfreich erwiesen, eine lokale Orgagruppe zu haben, die sich ab Herbst wöchentlich trifft und mit der bundesweiten Orgagruppe zusammenarbeitet.
  • „Wenn ich groß bin, werd ich Netzplan“, hat Storch mal auf einem Orgatreffen gesagt. Netzplan, ein gut mit Moderation und Metaplan kombinierbares Planungsverfahren schafft viel Transparenz über die innerhalb einer bestimmten Zeit zu erledigenden Aufgaben. Damit verhindert es wirkungsvoll, dass sich organisatorisches Wissen in den Köpfen Weniger konzentriert, und hilft, den Koordinationsaufwand zu verringern.


[Bearbeiten] Selbstverständnis

Was bedeutet uns der Jukß? Wofür steht der Kongress? Wofür könnte er stehen? Wie wünschen wir uns den Jukß in 5 Jahren?

Diese Fragen lassen sich nicht aus dem Stegreif beantworten und jedes Orgateam wird sie für sich neu definieren und mit Inhalt füllen. Oft habe ich aber den Eindruck, dass sie gar nicht geklärt werden, weil sich das Orgateam nicht als Dienstleister verstehen möchte, und daher in inhaltlichen Fragen keine Position beziehen, sondern dies den Jukßteilis überlassen möchte. Es ist bei einem Kongress wie dem Jukß zwar sinnvoll, nicht im Vorhinein Festlegungen über Programm und Inhalt zu machen. Aber auch Noch-Nicht-Jukßis möchten gerne wissen, was sie erwartet und was ihr Interesse wecken könnte. Die Frage nach dem Selbstverständnis zielt dabei weniger auf konkrete Inhalte ab, sondern richtet sich auf den konzeptionellen Rahmen – darauf, was auf dem Jukß möglich sein kann, was wir uns für ihn wünschen, wie wir zusammenleben und entscheiden wollen.

Was dies angeht, fällt mir auf, dass der Jukß in den letzten Jahren sein Gesicht verändert hat. Lebensstile („anders leben“, DIY) und Selbstorganisation haben gegenüber klassischen Umweltthemen stark an Bedeutung gewonnen. Man könnte das schade finden, aber ich verstehe das als Chance. Der Jukß schließt damit eine Lücke, indem er gleichzeitig Freiräume bietet und eigenständige Orientierung zulässt, wohingegen vergleichbare Veranstaltungen Jugendliche lediglich auf eine konforme Lebensweise zurichten, indem sie Lösungen anbieten, aber keinen Raum für eigenständiges Denken und das Entwickeln individueller Bedürfnisse zulassen. Meines Erachtens betreibt der Jukß damit politische Bildung - denn er ermöglicht es, Politik zu machen, die am Privaten und Alltäglichen ansetzt (also im besten Sinne „radikal“ ist) und die einen in die Lage versetzt, über die alltägliche Normalität hinauszudenken und ein „anderes“ Zusammenleben zu gestalten. „Bildung“ heißt dabei aber nicht „lernen müssen“ und „sich profilieren“, so wie dies auf Fachkongressen der Fall ist, sondern bedeutet eher Ideen zu entwickeln und auszutauschen und Wissen weiterzugeben. Dahinter steht ein emanzipatorisches Politikverständnis, das sich von den herkömmlichen Formen staatsbürgerlicher politischer Bildung stark unterscheidet. Das halte ich für ein wertvolles Potenzial, das sich auch noch stärker inhaltlich schärfen ließe (z.B. für künftige Finanzanträge, aber genauso auch was AKs angeht...)

Gleichzeitig erscheint es mir wichtig, im Gegensatz zu Kongressen von Buju und Naju die Bedeutung emanzipatorischer Umweltpolitik herauszustellen. Darunter verstehe ich umweltpolitisches Handeln, das sich nicht in Lobbying und fachlicher Verbändearbeit erschöpft, sondern bewegungsnah ist – Stichwort Aktionsplanung, Vernetzung, Austausch. Das ist etwas, was der Jukß bisher gut leisten konnte, und es wäre schade, wenn hier Potenzial verlorenginge.


[Bearbeiten] Leben auf dem Jukß

Die Klage über konsumierende Teilis ist mal leise, mal laut zu hören. Jetzt gerade wieder laut, denn beim letzten Jukß blieben viele Aufgaben an den Ex-Orgas hängen und von einer Auflösung des Orgateams konnte in vielen Bereichen nicht die Rede sein, allein schon, weil unklar war, wer sich denn dann für bestimmte Aufgaben verantwortlich fühlt. Falks Text ist darauf ja ausführlich eingegangen. Eigentlich wurden das Selbstverwaltungsmodell und das frühere „Demokratiemodell“ entwickelt, um eine soziale Lösung für diese Problematik zu finden. In der Vergangenheit waren die unterschiedlichen Modelle aber nur mäßig erfolgreich. Dies hat auch damit zu tun, dass sie immer recht voraussetzungsvoll sind, gerade für Menschen die das erste Mal beim Jukß sind, und dass wenig Wert auf eine gute Einführung gelegt wurde.

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