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Auch über den Umgang mit dem Geld des Kongresses haben wir uns einige Gedanken gemacht. Bisher ist die Finanzierung von Veranstaltungen eines der Felder, wo der Anspruch von Hierarchiefreiheit nicht erfüllt wurde. Es gibt immer nur wenige Leute, die finanziell einen Durchblick haben -was nicht automatisch von denen so gewollt ist- und dadurch auch mehr Entscheidungsmacht haben als alle anderen. Leider ist es meist auch so, dass kaum jemand Lust hat, sich mit dieser häufig öden Betätigung auseinanderzusetzen.
Haupteinnahmequelle eines Kongresses sind meist die TeilnehmerInnen-Beiträge und Fördergelder verschiedener Stiftungen und Verbände. Erstere werden an der Infothek nach Selbsteinschätzung und eigenverantwortlich bezahlt. Es gibt keine Kontrolle, wer schon wieviel bezahlt hat, aber es wird öffentlich gemacht, wenn weniger Geld als benötigt wird in der Kasse ist.
Von dem eingezahlten Geld werden zunächst die Beträge zurückgelegt, die für feste Ausgaben (Essen, Unterkunft etc.) verwendet werden. Von dem übrigen Geld wird ein bestimmter Teil in die "Offene Kasse" gelegt, die an der Infothek steht. Dort können sich die KongressteilnehmerInnen selbstverantwortlich Geld für Ausgaben, die sie beim Kongress vornehmen wollen, harausnehmen.
Es soll niemanden geben, der erst genehmigen muss, ob das Geld verwendet werden darf. Durch die Lage an der Infothek soll aber auch vermieden werden, dass Leute die Kongress-Finanzen klauen und nicht reflektieren, dass dieses Geld allen zur Verfügung stehen soll. Die Begrenzung des Betrages, der in der Offenen Kasse liegt, soll die Gefahr, dass durch Geldklau große Verlust entstehen, reduzieren. Dass es überhaupt passieren kann, dass Leute sich einfach Geld nehmen und für sich behalten oder für Dinge ausgeben, die andere nicht gut finden, wird dadurch nicht ausgeschlossen. Der Selbstbestimmungs- und Selbstverwaltungsanspruch soll aber nicht dem Sicherheitsdenken geopfert und damit Hierarchien Vorschub geleistet werden. Die Herausforderung wird es sein, sich ein Kongress-Finanzverwaltungsmodell auszudenken, dass so robust ist, dass es durch Diebstähle nicht übermäßig schlimme Folgen gibt.
Dazu gehört neben den Rahmenbedingungen (Betragsbegrenzung, Nähe zur Infothek) auch die Bewusstseinsschaffung bei den TeilnehmerInnen. Ihnen sollte klar sein, dass dieses Geld für die Gestaltung und Durchführung des Jukss gedacht ist und dass es die Beträge sind, die von den TeilnehmerInnen dafür bezahlt werden. Es wird immer unterschiedliche Vorstellungen darüber geben, was von dem Kongress-Geld bezahlt werden soll. Um dieses Bewusstsein aufzubauen, sollte es Hinweisschilder geben und auch ein Einführungs-AK in die Kongress-Finanzen wäre angesagt.
Wer etwas aus der Kasse nimmt, sollte sich überlegen, ob sie die Ausgabe wirklich richtig findet und sich auch darauf einstellen, sich mit anderen TeilnehmerInnen darüber auseinander zu setzen, ob diese das auch OK finden. Außerdem ist Aufmerksamkeit gefragt: Wie ist der Einnahmenstand, welche Ausgaben stehen noch an und wofür wurde bisher Geld ausgegeben. Und wenn mensch sieht, dass größere Mengen aus der Offenen Kasse genommen werden, sollte ruhig auch mal nachgefragt werden, wofür das gebraucht wird.
Eine andere Schwierigkeit ist die Offenlegung der konkreten Finanzierung. Die Kongress-TeilnehmerInnen sollten größtmögliche Transparenz über vorhandene Gelder, eventuelle Zweckbestimmungen (manche Einnahmen dürfen nur für bestimmte Ausgaben verwendet werden) und bisherige Ausgaben haben.
Zur Transparentmachung dient einmal eine ausführliche Ausgabenplanung im Internet, zum Zweiten sollte es ein Finanzbarometer geben, das jeweils den aktuellen Stand von Einnahmen, bisherigen und noch anstehenden Kosten anzeigt. Das klingt vieleicht erstmal einfach, macht aber bei der Umsetzung einigen Aufwand. Es müssen Leute da sein, die einen Überblick über alle Finanzen haben und die immer wieder berechnen, wie der aktuellle Stand ist und diesen für alle sichtbar aufschreiben. Vieleicht bildet sich dafür beim Kongress eine Aufgabengruppe heraus?
Ein Großteil der Einnahmen ist von Anfang an verplant: Raummiete, Versicherung, Nahrungsmittel und Vorbereitngskosten für Porto, Material, Telefonkosten etc., um nur einige Ausgaben zu nennen. Manches ist noch beim Kongress variabel, z.B. welches Material nachbesorgt werden muss oder welche Lebensmittel (in Absprache mit der Kochgruppe) gekauft werden.
Damit nicht unnötige Ausgaben produziert werden, sollte mensch sich erst umschauen und mit anderen (z.B. Infothek) reden, um zu klären, ob das Einzukaufende nicht noch irgendwo vorrätig oder ohne Geld auftreibbar ist. Auch hier bedarf es großer Transparenz im Materiallager und an anderen Orten, wo Vorräte liegen. Vermutlich ist auch für die Vorrats"verwaltung" eine Aufgabengruppe sinnvoll.